Die im September 2008 ausgebrochene weltweite Finanzkrise hat unübersehbare Spuren in zahlreichen Bereichen hinterlassen. Im Bankensektor klaffen bis heute tiefe Krater, zumal neben der Investmentbank Lehman Brothers etliche weitere Banken pleite waren und zusammenbrachen. Bis Ende 2008 wurden von den US-Aufsichtsbehörden insgesamt 19 US-Banken abgewickelt und geschlossen, um für immer aus der Bankenwelt zu verschwinden. Konnte denn niemand rechtzeitig voraussehen, dass es so kommen könnte, damit etwas dagegen getan wird? Um diese Frage zu beantworten, ließ US-Präsident Obama Anfang 2009 eine zehnköpfige Kommission die Hintergründe der Finanzkrise untersuchen.
Die zehn Politiker beider Parteien (sechs Demokraten und vier Republikaner) hatten das Geschehen zu beleuchten. In diesem Auftrag haben die Kommissions-Mitglieder über 700 wichtige Zeugen interviewt und einen 576 Seiten starken erschöpfenden Bericht erstellt. Dieser wurde am gestrigen Donnerstag offiziell vorgelegt. Was er zutage gebracht hat, muss bestimmte Kreise gewiss überrascht haben. Denn der umfangreiche Report belegt: Die plötzlich ausgebrochene Krise war nicht unvorhersehbar, denn sie war das Ergebnis einer langer Reihe schwerer Fehler, die von Politiker, Bankenmanager und Finanzaufseher begangen wurden.
Im Abschlussbericht der Kommission wird das „kollektive“ Versagen vom Staat bzw. Politiker, privaten Banken bzw. Bankmanager und US-Aufsichtsbehörden nachgewiesen. Beschuldigt werden sowohl der amtierende Notenbankchef Ben Bernanke und sein Vorgänger Alan Greenspan als auch der Vorgänger von Obama, George W. Bush, sowie der Vorgänger von Bush, Bill Clinton. Vorgeworfen werden ihnen einerseits falsche Entscheidungen und Schritte, andererseits Tatenlosigkeit.
So wird Bill Clinton vorgeworfen, zu starke Lockerungen im US-Finanzwesen zugelassen zu haben. Dem Alan Greenspan wird angelastet, die auf der Basis dieser Deregulation entstandene riesige US-Immobilienmarkt Blase übersehen zu haben. Für die Verweigerung der Hilfe zur Rettung der Investmentbank Lehman Brothers, die sich durch die US-Immobilienmarkt Blase auf dem US-Hypothekenmarkt verspekuliert hatte und die Krise auslöste, wird George W. Bush verantwortlich gemacht.
Dem amtierenden FED Chef Ben Bernanke wird wiederum vorgeworfen, für die aktuelle Wirtschafts-Lage der USA blind zu sein und unangemessen zu reagieren, sowie dem Staat „nicht willig zu sein“, die richtigen Lehren aus der Krise gezogen zu haben.
Laut „New York Times" wurde der Abschlussbericht nur von den vier Demokraten zugestimmt, die Republikaner dagegen wollen zwei alternative Darlegungen präsentieren.

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