Ob an der Tanksstelle oder an der Supermarktkasse, war er bereits Ende 2010 für alle spürbar: Der deutliche Anstieg der Verbraucherpreise. Die Inflationsangst ist nicht unberechtigt, das haben offizielle Zahlen beweisen: Der Verbraucherpreisindex HVPI, der die Lebenshaltungskosten der Konsumenten widerspiegelt, belegte, dass die Inflationsrate - erstmals seit 2008 - im Dezember auf 2,4% geklettert war und auch im Januar blieb. Die innerhalb wenigen Monaten immer schneller werdende Teuerung hat die EZB nicht übersehen, zumal ihr erstrangiger Auftrag ist, die Preisstabilität im Euro-Land zu sichern. Außerdem hatte sie zugesagt, die Teuerungsrate dauerhaft auf 2% zu begrenzen. So war es zu erwarten, dass sie dem Inflationsdruck entgegenwirkt und endlich den Leitzins anhebt.
Doch beschlossen hat EZB-Präsident Trichet keine Zinserhöhung: Weder bei der Ratsitzung im Januar, noch am vergangenen Donnerstag. Außer Warnungen und Kommentare - „mittelfristig sei Preisstabilität nicht gefährdet“ - zum Thema Inflation, erfolgte keine Zinsanpassung, der Leitzins blieb unverändert bei 1%. Die Zentralbank setzt somit ihre - von Experten kritisierte und als „extrem expansiv“ bezeichnete Geldpolitik - fort und bietet trotz steigender Inflation weiterhin billiges Geld an.
Allerdings kann die Zurückhaltung der EZB rechtfertigt werden, wenn sie genauer betrachtet wird. Und zwar aus zwei Blickwinkeln: Gründe für die Teuerung und Folgen der Zinserhöhung.
• Die Gründe für die Teuerung im Euro-Land sind nicht internen, sondern externen Ursprungs, daher ist sie auch kaum zu bremsen. Größtenteils ist sie auf global wirkenden Fakten zurückzuführen: Die weltweit ansteigende Nachfrage nach Agrarprodukten und Rohstoffen, der darauf basierende Preisanstieg für Importrohstoffe und nicht zuletzt die Spekulationsgeschäfte mit den begehrten Rohstoffen. Dadurch bedingt passen Europas Unternehmen ihre Preise nach oben an, worauf wiederum Lohnsteigerungen folgen, welche die Produkte noch mehr verteuern.
• Die Folgen der Zinserhöhung wären für die Euro-Schuldenstaaten (Griechenland, Irland Portugal) fatal. Denn anders als Deutschland, das sich über die überstandene Wirtschafkrise und den neuen Wirtschaftsaufschwung freuen kann, haben diese Euro-Sorgenkinder vordergründig die Sanierung ihrer Haushalte und den Schuldenabbau voranzutreiben.
Die Preise bildet der Weltmarkt, von außen angetrieben, dreht sich die interne Preisspirale weiter. Die Inflation der Euro-Zone ist so zu sagen eine importierte Inflation, steigt sie weiter, wird die EZB den Leitzins doch anheben müssen.

Das Ziel der Chartanalyse ist es, Trends zu identifizieren und Trendwenden frühzeitig aufzuspüren....
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