Noch verbinden die 17 Euro-Staaten nur die Wirtschafts- und die Währungsunion. Doch es soll nicht dabei bleiben. Bemüht sind die Väter der Euro-Zone neben der gemeinsamen Währung weitere entscheidende Gemeinsamkeiten der EU-Mitgliedstaaten zu etablieren. Deren dadurch zu erreichenden Ziele sind vor allem, die gemeinsame Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und das kollektive Auftreten gegenüber dem Rest der Welt zu ermöglichen. Dazu gehören zum Beispiel die gemeinsamen Innen- und Außenpolitik, Justiz-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Des Weiteren sollen die Finanz- und die Wirtschaftspolitik, die Sozial- und die Beschäftigungspolitik, die Bildungs- und die Kulturpolitik der EU-Mitgliedstaaten angeglichen und koordiniert werden.
Kühn ist die in der "ZEIT" veröffentlichte Vision vom EZB-Chef Trichet, die Euro-Staaten in eine Staatengemeinschaft (die er passend „Vereinigte Staaten von Europa“ genannt hat) zu vereinen. Denn der gemeinsame Weg der EU-Gemeinschaft in die Zukunft setze eine förderliche Zusammenarbeit der EU-Staaten voraus. Aufgerufen hat er die Völker der Euro-Staaten, einen „vollständigen Zusammenschluss“ zu bejahen, die EU-Staaten wiederum, eine viel engere wirtschaftspolitische Kooperation einzugehen. Der Traum von Trichet umfasst die „Freundschaft der Völker Europas“ innerhalb eines neuen Staatenbundes, dessen Verwirklichung er ein „historisches Projekt“ nennt.
Weiter betont er, dass dieser Traum durch „dramatische Veränderungen“ zur Realität werden muss, denn er sei das Ergebnis der wichtigsten Lehren aus den Krisen der letzten Jahre. Die EU-Regierungen ermahnt er zugleich, in Zukunft auf die von ihnen in dieser schweren Zeit praktizierten Politik der „wohlwollenden Vernachlässigung“ zu verzichten. Als optimale Lösung lobt Jean-Claude Trichet den gemeinsamen Vorschlag des französischen Präsidenten und der deutschen Kanzlerin, einen „Pakt für mehr Wettbewerbsfähigkeit“ zu schließen. Denn, wenn dieser die Integration der Euro-Staaten beschleunigen und die Koordinierung innerhalb der Euro-Zone fördern würde, müsse die Wirtschaftsunion wirklich besser funktionieren.
Europas wichtigster Währungshüter meint zudem, ohne Koordinierung sind die nationalen Geld-, Fiskal- und Lohnpolitik für die Zukunft der Euro-Zone nicht mehr haltbar. Beim Gipfel Ende März werden Europas Staats- und Regierungschefs über das neue Gesamtpaket zur Euro-Absicherung entscheiden. Auf dem Programm stehen auch die von Frankreich und Deutschland vorgeschlagenen Wirtschaftsregierung und „Pakt für Wettbewerbsfähigkeit".
Zwar ist Trichet noch wenige Monate im Amt. Wird er dennoch als Vater der „Vereinigte Staaten von Europa“ in die Weltgeschichte eingehen?

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