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Hitzewelle lässt die Getreidepreise explodieren

Seit Monaten sind die Agrarpreise um Bewegung, und zwar nur in eine Richtung: Nach oben! So kletterte 2010 der Preis für eine Tonne Weizen von ca. 130 Euro im Januar auf ca. 250 Euro im Dezember. Die Getreidehändler haben dafür immer wieder dieselbe Rechtfertigung parat: Die Wetterverhältnisse. Das stimmt: Durch die Medien wurden wir Zeugen der verheerenden Waldbrände in Russland, auch die lang anhaltende Hitze in Südamerika, deren Folge Dürre und Ernteausfälle waren, blieben uns nicht verborgen. Den Getreidehändlern zufolge ist der Markt allein auf das Wetter zurückzuführen!

Allerdings gibt es neben den Launen des Wetters weitere ebenso plausible Erklärungen für die steigenden Preise für Agrarprodukte. Das ist erstens das allgemeine Wachstum der Weltbevölkerung, zweitens die steigende Nachfrage aufgrund des wachsenden Wohlstands in den Boomländern (allen voran China und Indien), deren Bevölkerung unsere Genussmittel (wie Milchprodukte und Schokolade) entdeckt hat, drittens der ungebremste Trend, Bio-Kraftstoffe bzw. Treibstoffe aus Pflanzen herzustellen. Ab 2011 solle der Bioethanol-Anteil im Benzin hierzulande auf 10%, in den USA bis auf 15% ansteigen!

Es gibt noch einen Grund für die steigende Agrarpreise: Der steigende Appetit der Spekulanten auf Spekulationsgewinne. Die Zeiten, als der Markt für Rohstoffe nur den großen professionellen Investoren zugänglich war, sind vorbei. Offen stehen seine Tore heute auch dem kleinen Privatanleger, der nun sein Geld auch in Weizen und Mais, in Soja und Rohzucker anlegen kann. Zumal die Banken für ihn mittlerweile die neue Anlageklasse „Rohstoffe“ geschaffen haben, womit sie selbst auch satte Gewinne erzielen. Dem Kleinanleger werden immer mehr attraktive Rohstoff-Derivate angeboten und er greift ja zu.

Man höre und staune: Sogar der Medienbekannte Pater Anselm, der die Gelder seines Klosters verwaltet, habe in Rohstoffe „jeglicher Art" investiert, wie er es vor kurzem bei einem Interview verlauten ließ.

Paradoxerweise haben bislang ausgerechnet jene nicht von den anziehenden Agrarpreisen profitiert, die mit realen Agrarprodukten arbeiten: Deutschlands Bauern. Im Gegenteil, sie beklagen bereits ein zweites schweres Jahr in Folge und haben gerade wegen des Wetters Ernteminderungen, zugleich Mehrausgaben wegen höherer Düngemittelkosten. Aufgrund von Vorkontrakten haben sie dabei zu tieferen Preisen verkaufen müssen. Doch: Dank der für die Ernte 2011 abgeschlossenen Vorverträge, können sie am Preisanstieg partizipieren!

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